Wie nah stehen sich Schwarz und Grün?

Einleitung

„Wer hat Angst vor Schwarz-Grün?“ Veranstaltungen und Diskussionen mit diesem – wörtlichen oder sinngemäßen – Titel finden derzeit in der gesamten Bundesrepublik statt. Anlass dazu gibt die Möglichkeit einer schwarz-grünen Koalition auf Bundesebene. Befürworter eines Bündnisses zwischen Union und Grünen führen an, dass ein solches auf Landes- und Kommunalebene, etwa in Hamburg, bereits besteht und dass mit ihm Ökologiethemen auf nationaler Ebene an Bedeutung gewinnen könnten. Auf Seiten der Gegner werden die inhaltlichen Differenzen zwischen CDU/CSU und Grünen genannt, etwa jene in der Atomfrage. Diese Analyse widmet sich der Frage nach sprachlichen und inhaltlichen Gemeinsamkeiten von sowie Unterschieden zwischen Schwarz und Grün.

Datengrundlage

CDU/CSU: 404 Pressemitteilungen im Zeitraum von 28.2.2007 bis 5.8.2009 (74617 Wörter)
Grüne: 522 Pressemitteilungen im Zeitraum von 19.7.2009 bis 24.3.2009 (95373 Wörter)

Schlagworte und Kollokationen: Gemeinsamkeiten

Einen guten Überblick über die inhaltlichen Gemeinsamkeiten zweier Parteien erhält man, indem man untersucht, ob die Nomen, die beide häufig verwenden, in ähnlichen Kontexten auftreten. Bei CDU/CSU und Grünen trifft dies unter anderem auf die Schlagworte Demokratie, Menschenrecht, Sicherheit und Frau zu.

Beide Seiten nennen wiederholt Menschenrechte und Freiheit im Zusammenhang mit Demokratie. Die folgende Grafik verdeutlicht dies und zeigt darüber hinaus die Wörter, die nur bei der Union bzw. bei den Grünen im Umfeld des Lemmas Demokratie auftauchen:

Wie die folgende Übersicht zeigt, thematisieren sowohl Union als auch Grüne im Zusammenhang mit Menschenrechten die Frage nach den Menschenrechten in China – ein Thema, das während der Regierungszeit von Gerhard Schröder eher stiefmütterlich behandelt und den deutschen Wirtschaftsinteressen untergeordnet wurde:

Auch das Schlagwort Sicherheit verwenden CDU/CSU und Grüne mitunter im gleichen Kontext. Für beide stellt die innere Sicherheit ein zentrales Anliegen dar:

Ferner lässt sich bezüglich der Gleichstellung von Mann und Frau ein Grundkonsens zwischen CDU/CSU und Grünen festzustellen; dies zeigt sich an den gemeinsamen Kollokatoren Gleichstellung und Beruf zum Lemma Frau. Gleichzeitig werden bei diesem Schlagwort allerdings bereits Unterschiede deutlich: Auffallend ist zunächst, dass sich die Grünen dem Thema Gleichstellung intensiver widmen als die Union. Auch ist das Thema bei den Grünen breiter gefasst: Angesprochen werden auch Einkommensunterschiede, Gewalt gegen Frauen und das Thema „Gebärzwang“. Insgesamt deutet dies auf ein differenzierteres Bild von Frauenpolitik bei den Grünen hin. Bei den Kollokatoren der Union fällt auf, dass neben Gleichstellung auch das Lemma Gleichberechtigung vertreten ist, das im Gegensatz zum ersten nicht den Ruf nach aktiven Maßnahmen zur Gleichverteilung der Geschlechter impliziert.

Anzumerken ist außerdem, dass der Themenbereich Umwelt- und Klimaschutz auch in den Pressemitteilungen der Union eine Rolle spielt, wenngleich sich kein einzelnes Wort daraus aufgrund seiner Häufigkeit als Schlagwort herauskristallisiert hat. Nachfolgend sind die einschlägigen Wörter aus den Wortfeldern Klima und Umwelt, wie sie in den Pressemitteilungen von CDU und CSU vorkommen, aufgeführt:

Klima, Klimaschutz, Klimawandel, Klimaschutzkonzept, Klimaziel, Klimapolitik, Klima-Beschlüsse, Klimaänderung, Klimaschutzziel; Umwelt, Umweltverträglichkeit, Umweltschutz, Umwelttechnologie, Umweltpolitik, Umweltforschung, umweltverträglich

Sie zeigen, dass die Union weiterhin daran arbeitet, neben der Charakterisierung von Angela Merkel als „Klimakanzlerin“ ihr ökologisches Profil zu schärfen.

Schlagworte und Kollokationen: Unterschiede

Nomen und Adjektive

Neben den gemeinsamen Schlagworten lassen sich auch solche ausmachen, die nur für eine der beiden Seiten typisch sind. Die Wortwolken mit den Nomen und Adjektiven, die bei der Union signifikant häufiger vorkommen als bei den Grünen und umgekehrt, zeigen deutlich die inhaltlichen Unterschiede: Neben den Themen Klima- und Umweltpolitik ist bei den Grünen zum Beispiel ein Schwerpunkt auf internationalen Angelegenheiten zu erkennen. Es finden sich zahlreiche Bezeichnungen für die Zugehörigkeit zu außereuropäischen Ländern, etwa amerikanisch, chinesisch, irakisch oder iranisch. Derartige Bezeichnungen, die auf die internationale Politik verweisen, finden sich in den Pressemitteilungen der Union nur selten. Dies mag daran liegen, dass die Union in der gegenwärtigen Regierung nicht das Außenministerium besetzt.

Die Pressemitteilungen der Grünen enthalten überdies eine Vielzahl von negativ bewertenden Adjektiven, beispielsweise brutal, diskriminierend, einseitig, erschreckend, falsch oder gefährlich. Dem stehen auf Seiten der Union positiv bewertende Adjektive wie großartig, gut, herausragend, richtig oder sinnvoll gegenüber. Dieser Adjektivgebrauch reflektiert die unterschiedlichen Wirklichkeitskonstruktionen von Regierungs- und Oppositionspartei.

Ferner lässt sich bei den Grünen eine Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz erkennen. Bei CDU und CSU nehmen wie zu erwarten die Themen Wirtschaft, Arbeit, Gesellschaft, Familie und Soziales einen hohen Stellenwert ein.

CDU/CSU

Wirtschaft, Arbeit:

Arbeit Arbeitnehmer Arbeitsgruppe Arbeitslose Arbeitslosigkeit Arbeitsmarkt Arbeitsmarktzahl Arbeitsplatz Aufschwung Beschäftigte Betrieb Gewerkschaft Leistung Marktwirtschaft Mitarbeiterbeteiligung Unternehmen Wirtschaft betrieblich sozialversicherungspflichtig steuerlich wirtschaftlich

Politische Ämter, Parteien, Gruppierungen und Institutionen:

Bund Bundeskanzlerin Bundespräsident CDU-Generalsekretär Generalsekretär Kommission Linkspartei Partei Pressestelle Staat Union Verband Vorsitzende CDU-geführt link regierend rot-grün rot-rot unionsgeführt

Positiv bewertende Adjektive:

erfolgreich großartig gut herausragend konstruktiv positiv richtig sinnvoll solid|solide stabil

Gesellschaft, Familie, Soziales:

Familie Generation Gesellschaft Jugendliche Mensch gesellschaftlich sozial

Bezeichnungen nationaler Herkunft:

Berliner hessisch national

Kirche, Religion:

Kirche christlich katholisch

Bezeichnungen internationaler Herkunft:

Weißrußland weißrussisch

Wahlkampf:

Dialog-Tour Wahlkampf

Menschenrechte:

Menschenrecht

Bildung:

Bildung

Andere Nomen:

Aufgabe Bedeutung Beitrag Beschluß Besuch Beteiligung Blick Chance Einheit Einsatz Entwicklung Erfahrung Erfolg Freiheit Gespräch Gruppe Grundlage Hand Herausforderung Jahr Januar Kraft Kurs Land Leben Maßnahme Million Mittelpunkt Monat Motto Rahmen Reform Senkung Stadt Thema Vertrauen Vertreter Voraussetzung Weg Zahl Ziel Zukunft Zusammenarbeit anstehend

Andere Adjektive:

ausdrücklich beeindruckend beschlossen derartig eindeutig eindrucksvoll einheitlich entscheidend erheblich erneut erst finanziell geführt gelebt gemeinsam gesetzlich gleichzeitig historisch hoch intensiv jung klar kommend künftig leicht möglich niedrig persönlich rein stellvertretend stolz täglich unterschiedlich vorhanden wichtig zentral zusätzlich

Bündnis 90/Die Grünen

Politische Ämter, Parteien, Gruppierungen und Institutionen:

Bundesgeschäftsführerin Bundesregierung Bundesverfassungsgericht Bundesvorsitzende Bundesvorstand Bündnis Grüne Innenminister Koalition Kanzlerin Minister Rechte Regierung Sprecherin politisch recht

Negativ bewertende Adjektive:

brutal diskriminierend einseitig erschreckend falsch gefährlich kurzsichtig mangelnd populistisch schlecht schlimm unsinnig verheerend vermeintlich zynisch überfällig

Bezeichnungen internationaler Herkunft:

amerikanisch chinesisch europäisch europaweit international irakisch iranisch kurdisch polnisch russisch türkisch

Klima, Energie:

Emissionshandel Energie Klimaschutz Klimawandel Kohlekraftwerk erneuerbar grün klimapolitisch nuklear ökologisch

Datenschutz, Polizei:

BKA-Gesetz Datenschutz Online-Durchsuchung Polizei Vorratsdatenspeicherung

Recht, Rechtsstaat:

Bürgerrecht Grundrecht Recht Rechtsstaat rechtsstaatlich

Frauen, Mütter:

Kind Kinderbetreuung frauenpolitisch

Menschenrechte, Migrationspolitik:

Flüchtling humanitär

Rechtsextremismus:

Rechtsextremismen rechtsextrem

Bezeichnungen nationaler Herkunft:

ostdeutsch

Andere Nomen:

Ausbau Auseinandersetzung Bürgerin Debatte Diskussion Ergebnis Fall Frage Gesetz Information Kampf Konflikt Opfer Pflicht Plan Problem Projekt Realität Regelung Schutz Umgang Urteil Verbesserung Versuch Zeichen Äußerung

Andere Adjektive:

ander angekündigt bekannt betroffen digital dringend drohend entschieden ernst extrem faktisch gegenwärtig geplant glaubwürdig golden groß jahrelang jüdisch massiv militärisch notwendig nötig offenbar offenkundig offensichtlich schnell schön steigend systematisch tatsächlich technisch vollkommen wiederholt wirklich zivil zivilgesellschaftlich


Verben

Sowohl bei CSU/CDU als auch bei den Grünen sind Verben, die eine Zustandsveränderung anzeigen, sehr häufig. Die Zustandsveränderung, die ausgedrückt wird, ist allerdings je eine andere: Bei CDU und CSU dominieren Verben, die anzeigen, dass etwas entsteht oder – allenfalls in abgeänderter Form – weitergeht, wie erarbeiten, ermöglichen, erreichen, erzielen, fortsetzen, fördern, schaffen, sichern, stärken oder verbessern. Bei den Grünen sind demgegenüber Verben häufig, die ausdrücken, dass ein laufender Prozess gestoppt oder ein bevorstehender verhindert wird, wie beenden, blockieren, einschränken, erschweren, stoppen, verbieten, verhindern oder verweigern. Dieser Befund korrespondiert mit der Stellung der beiden Akteure im politischen System: Als Oppositionspartei schlagen die Grünen eher als die Regierungsparteien CDU und CSU Kursänderungen oder zumindest umfassende Veränderungen vor.

Verben CDU/CSU

arbeiten bekennen besuchen betonen beweisen bleiben bringen danken diskutieren entlasten entstehen erarbeiten erhalten ermöglichen erreichen erzielen fortsetzen freuen fördern fühlen geleiten|leiten gelingen gelten gestalten gewinnen halten lauten lohnen schaffen senken sichern sinken stehen stärken teilen tragen treffen treten unterstreichen verbessern verdanken verdienen vergessen verlassen wirken wählen würdigen zählen übernehmen

Verben Bündnis 90/Die Grünen

aufklären beenden behandeln betreiben blockieren brauchen demonstrieren drohen einfordern einschränken erinnern erkennen erklären erschweren erweisen fehlen fordern gehen gewähren glauben handeln hoffen hören ignorieren lassen mißbrauchen nehmen passen reichen scheinen schlagen schützen sollen speichern spielen stoppen verbieten verhindern versuchen verweigern verzichten wiederholen


Sprachliche Muster: Unterschiede

mehr (CDU/CSU) vs. gegen (Bündnis 90/Die Grünen)

Der obige Vergleich der Verben-Wortwolken hat gezeigt, dass CDU/CSU im Vergleich zu den Grünen häufiger Verben verwenden, die eine moderate Zustandsveränderung implizieren, während die von den Grünen verwendeten Verben darauf hindeuten, dass umfassendere Veränderungen bis hin zu vollständigen Kurswechseln gefordert werden. Diese Stoßrichtungen manifestieren sich auch in den sprachlichen Mustern, die für die beiden politischen Akteure typisch sind. So kommen in den Pressemitteilungen von CDU und CSU signifikant häufiger Muster vor, die das Adjektiv mehr enthalten. Beispiele dafür sind:

mehr Investitionen in den Unternehmen
mehr Vertrauen in die Politik
mehr Netto in den Taschen
mehr Netto in der Tasche
mehr Menschen für die Arbeit
mehr Netto für die Menschen
mehr Chancen auf eine Beschäftigung
mehr Geld von der Steuer
mehr Gelassenheit bei der Rückschau
mehr Netto für die Beschäftigten

Analog zu den Verben zeigen bei den Grünen sprachliche Muster, die die Präposition gegen enthalten, eine entgegengesetzte Haltung zu einer Sache an. Die Präposition tritt zumeist in Verbindung mit einer Nominalphrase auf. Am häufigsten sind die Ausdrücke gegen den internationalen Terrorismus und gegen die drohende Klimakatastrophe. Andere Gegenpositionen sind:

gegen das willkürliche Verfahren
gegen den ansteigenden Nationalismus
gegen den erstarkenden Rechtsextremismus
gegen den gewaltbereiten Rechtsextremismus
gegen den nationalsozialistischen Terror
gegen den organisierten Rechtsextremismus
gegen den unverschämten Machtanspruch

Die CDU/CSU vs. Wir Grüne

Die Art, wie eine Partei in ihren Pressemitteilungen auf sich selbst verweist, kann einen Hinweis auf das von ihr angestrebte Image liefern. Bei CDU und CSU finden sich häufig Selbstreferenzen in der dritten Person:

Die CDU tritt einer Relativierung
Die CDU bleibt der Motor
Die CDU setzt die Konstituierung
Die CDU bleibt der Reformmotor
Die CDU sieht die Integration

Die CSU lehnt eine
Die CSU ist näher
Die CSU ist und bleibt

Die CDU Deutschlands freut
Die CDU Deutschlands fühlt
Die CDU Deutschlands hält
Die CDU Deutschlands gedenkt
Die CDU Deutschlands fordert

Derartige Selbstbezüge verleihen den Pressemitteilungen einen formellen Charakter und sorgen für eine gewisse Distanz zum Leser. Anders ist dies bei der Partei Bündnis 90/Die Grünen: Sie nimmt in der ersten Person Plural auf sich selbst Bezug. Das Pronomen wir findet sich häufig in Verbindung mit dem Parteinamen:

Wir Grüne fordern
Wir Grüne unterstützen
Wir Grüne begrüßen
Wir Grüne fühlen

Daneben tritt es auch alleine auf, und zwar nach einem Adverb und einem Verb:

Allerdings warnen wir
Auch fragen wir
Außerdem fordern wir
Besonders begrüßen wir
Besonders freuen wir
Ebenso wissen wir
Leider erkennen wir

CDU/CSU: Zahlangaben

Bei der Union sind Zahlangaben sehr häufig anzutreffen. Dazu gehören zum Beispiel Datumsnennungen:

1948 erfolgte die
2007 erklärt der
1944 gedenkt die
1994 setzt die
2013 erklärt der
2008 erklärt der
1944 erklärt der
2009 erklärt der
1953 erklärt der
1961 erklärt der

Ebenfalls in diese Kategorie fallen Wendungen wie von heute, von morgen und von gestern, die nicht genau auf den aktuellen, nächsten oder vergangenen Tag, sondern im übertragenen Sinn auf Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit verweisen. Sie treten nach einem Nomen auf; am häufigsten ist bei der Union der Ausdruck Schulden von heute. Weitere Beispiele für diese Art von Zeitangaben sind:

Abgaben von morgen
Facharbeiter von morgen
Geschrei von heute
Parolen von vorgestern
Regierung von morgen
Rentner von heute
Rentner von morgen
Sprechblasen von gestern
Steuern von morgen

Daneben enthalten die Pressemitteilungen der Union auch viele Prozent- und Währungsangaben sowie Angaben von Zeitspannen:

niedrigste Stand seit
historischen Rekordstand seit
ersten Mal seit
besten Arbeitsmarktzahlen seit
niedrigste Dezember-Arbeitslosigkeit seit
stärksten Rückgang seit

der letzten zwei Jahre
den vergangenen 16 Tagen
den letzten 17 Jahren
den letzten zwölf Jahren
den ersten zwei Tagen
Die ersten 100 Tage

unter sechs Jahren
unter vier Prozent
unter drei Jahren
unter 25 Jahren
unter 4 %
unter 40 Prozent

40 Prozent der Kinder
zwei Prozentpunkte die Lohnnebenkosten
75 Prozent der Beratungstätigkeit
zwei Drittel der Landratswahlen
20 Prozent der Jugendlichen
35 Prozent der Kinder

Nationalen Ausbildungspaktes bis 2010
vierte Arbeitslose unter 25
niedrigste Wert seit 25
erneuerbaren Energien bis 2020
niedrigste Stand seit 25
stärksten Rückgang seit 1957

für die kommenden vier Jahre
In den kommenden 36 Tagen
in den letzten drei Jahren
in den ersten zwei Tagen
In den vergangenen 16 Tagen
in den zurückliegenden sechzehn Jahren

Insgesamt deutet die sehr häufige Verwendung solcher Zahlangaben darauf hin, dass die Union ein Argumentieren auf der Basis von Fakten anstrebt. Ein ähnliches Bestreben ist beispielsweise auch bei der Linken auszumachen (vgl. Analyse dazu).

CDU/CSU: Konsekutive Satzanschlüsse

Für die Union typisch sind ferner konsekutive Satzanschlüsse, d.h. Satzanschlüsse, die anzeigen, dass der aktuelle Satz eine Folgerung aus dem vorangehenden darstellt. Typische konsekutive Satzanschlüsse sind die Adverbien deshalb und deswegen. Bei der Union treten sie in Verbindung mit einem Verb und dem Pronomen es (1) oder mit einem Modalverb und einem beliebigen Personalpronomen (2) auf:

(1)
Deshalb hat es
deshalb ist es
Deshalb ist es
Daher ist es
Deshalb war es
Damit ist es
Deswegen ist es

(2)
Deshalb müssen wir
Deshalb wollen wir
Daher wollen wir
Daher müssen wir
Deshalb muss es

CDU/CSU: Demonstrativpronomen

Wie die konsekutiven Satzanschlüsse dienen Demonstrativpronomen dazu, die inhaltliche Fortführung eines Gedankens explizit zu machen. Anders als die konsekutiven Satzanschlüsse leiten sie nicht notwendigerweise eine Folgerung aus dem zuvor Gesagten ein. In der Sprachwissenschaft wird zwischen substituierenden und attribuierenden Demonstrativpronomen unterschieden: Erstere ersetzen die Entität, auf die sie sich rückbeziehen, Letztere treten mit ihr zusammen auf. Beide Formen finden sich überaus häufig bei der Union. Auf die attribuierenden Demonstrativpronomen folgen meist direkt ein Nomen und ein Verb. Die häufigste konkrete Form dieses Musters ist Diese Entscheidung ist. Weitere Beispiele:

Diese Zwangsehen sind
Dieses Prinzip hat
Diese Anreicherung ist
Diese Entscheidung war
Diese Leistung ist
Diese Einigung ist
Dieses Thema ist

Diese Studie muss
Diesen Weg dürfen
Diese Menschenrechtsverletzungen müssen
Dieser Ausbeutung muss
Dieses Potential muss
Dieses Denkmal muss
Diese Chance wollen

Die substituierenden Demonstrativpronomen treten in mannigfacher Weise auf. Besonders häufig ist das Muster Demonstrativpronomen+Verb+Nominalphrase mit Das ist ein gutes Signal als häufigstem Vertreter. Weitere Vorkommen sind:

Das ist ein guter Tag
Das ist ein großartiger Erfolg
Das ist ein wichtiges Signal
Das ist der niedrigste Wert
Das ist das beste Ergebnis
Das war die eindeutige Vorgabe
Dies wird die neue Bundesregierung
Das wäre der niedrigste Stand
Dies wäre der niedrigste Wert
Das ist ein gutes Ergebnis

An dieses Muster schließt sich häufig eine Präposition an. Als Beispiele für vollständige Sätze mit einleitendem substituierendem Demonstrativpronomen und Präposition seien angeführt:

Das ist ein beachtlicher Schritt nach vorn!
Das ist ein guter Tag für Niedersachsen!
Das ist ein gutes Ergebnis für die Beschäftigten und Arbeitssuchenden in Deutschland.
Das ist ein gutes Signal für alle, die noch immer nach Arbeit suchen.
Das ist ein klares Signal für die Familien in Deutschland.
Das ist ein toller Erfolg für die CDU!
Das ist ein wichtiges Signal für das Ehrenamt in Deutschland.
Das ist eine großartige Botschaft für unser Land.
Das ist eine gute Nachricht für Deutschland.

Bündnis 90/Die Grünen: Nominalphrase+Modalverb

Während die Grünen mit dem Muster gegen+Nominalphrase ausdrücken, was aufhören bzw. verhindert werden soll, verwenden sie das Muster Nominalphrase+Modalverb, um darzulegen, was geschehen muss. Das Verb müssen ist denn auch das frequenteste Modalverb in diesem Muster. Am häufigsten werden Forderungen an Union und SPD gestellt: Die große Koalition muss. Weitere Adressaten und Modalitäten sind:

Das Europäische Parlament muss
Das Karlsruher Gericht muss
Das geplante Raketenabwehrsystem muss
Das momentane Anbauverbot kann
Das wichtige Projekt darf
Der gegenwärtige Aufschwung muss
Der libanesische Staat muss
Der türkische Staat muss
Der zivile Wiederaufbau muss
Die Deutsche Bahn muss

Sprachliche Muster: Gemeinsamkeiten

Neben den vorgestellten sprachlichen Mustern, die für CDU/CSU bzw. Grüne allein typisch sind, existieren auch vereinzelte gemeinsame Muster. Eines davon ist das der evaluativen Sätze. In evaluativen Sätzen wird mittels eines prädikativen Adjektivs ein Sachverhalt bewertet. Beispiele für solche Sätze bei der CDU und CSU sind:

Es ist gut, dass
Es ist richtig, dass
Es ist bemerkenswert, dass
Es ist bezeichnend, dass
Es ist erfreulich, dass

Die Botschaft des Parteitages ist dürftig
Die Botschaft des Frühjahrsgutachtens ist klar
Der Vorwurf des Rechtspopulismus ist absurd
Die Halbierung der Arbeitsmarktinstrumente ist sinnvoll
Der Weg der Reformen ist richtig

Die Adjektive finden sich auch am Ende eines Satzes, dann jeweils paarweise:

ist fair und gerecht
ist möglich und sinnvoll
ist richtig und wichtig
ist sinnvoll und möglich
ist unerträglich und unvereinbar
sind abscheulich und respektlos
sind schamlos und menschenrechtsfeindlich
sind unanständig und inakzeptabel
wäre schädlich und verantwortungslos
wäre unsozial und falsch

Der häufigste Vertreter dieses Musters heißt sind gut und richtig. Er zeigt zusammen mit den obigen Beispielen, dass das zweite Eigenschaftswort in der Adjektivdoppelung oft gegenüber dem ersten keinen hohen semantischen Mehrwert liefert. Die Doppelung lässt sich also auf stilistische Gründe zurückführen. Im vorliegenden Fall dürfte sie Mittel zu einem prägnanten Satzabschluss sein.

Bei den Grünen finden sich prädikative Adjektive oft unmittelbar am Satzanfang. Die fünf häufigsten Kombinationen aus Adjektiv und Kopula sind bei dieser Partei: Nötig ist, Erschreckend ist, Notwendig ist, Nötig sind und Wichtig ist. Oft schließt sich an dieses Muster eine Nominalphrase an:

Nötig ist eine Demokratieoffensive
Erschreckend ist die Langmut
Erschreckend ist die Verkommenheit
Erstaunlich ist die Blauäugigkeit
Monströs ist die Begründung

Fazit

Die vorliegende Untersuchung hat gezeigt, dass zwischen der Union und der Partei Bündnis 90/Die Grünen (sprach)stilistische Unterschiede bestehen. Am deutlichsten offenbaren sich diese in der Art, wie die beiden Akteure in ihren Pressemitteilungen auf sich selbst verweisen: Während die Union eine Distanz zum Leser aufrecht erhält, sind die Grünen umgekehrt bemüht, eine solche abzubauen und einen gemeinsamen sprachlichen Raum für sich und die Leserschaft ihrer Pressemitteilungen zu schaffen. Weiter deuten die vorgestellten sprachlichen Muster darauf hin, dass die Union einen stärker auf Argumentation ausgerichteten rhetorischen Stil pflegt als die Grünen. Dafür sprechen die vielen Zahlangaben – Fakten – und konsekutiven Satzanschlüsse. Die Rhetorik der Grünen scheint demgegenüber direkter zu sein. Das suggerieren die prädikativen Adjektive zu Beginn eines Satzes – Erstaunlich ist (vs. Es ist erstaunlich, dass bei CDU und CSU) – sowie die Kombination aus Nominalphrase und Modalverb am Satzanfang (Die große Koalition muss). Inhaltliche Gemeinsamkeiten lassen sich auf den Gebieten Klima- und Umweltschutz ausmachen.

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