Rhetorik des Populismus? Die Reden Guido Westerwelles und Oskar Lafontaines im Vergleich

Ihre Scharfzüngigkeit ist gefürchtet. Wenn sie im Bundestag sprechen, verlässt für gewöhnlich niemand den Plenarsaal. Wegen ihrer rhetorischen Schärfe sehen sich beide oft mit dem Vorwurf des Populismus konfrontiert: Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Partei DIE LINKE, und Guido Westerwelle, Vorsitzender der FDP.

Damit sind die Gemeinsamkeiten der beiden Oppositionsführer auch schon benannt. Sie stehen Parteien vor, die in fast allen Politikbereichen – von der Sozial-, über die Wirtschafts- und Steuerpolitik bis hin zur Außenpolitik – diametral entgegengesetzte politische Konzepte vertreten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass beide Lager politische Kampfbegriffe zur Bezeichnung ihrer Gegner geprägt haben: Lafontaine spricht im Kontext der FDP gerne von den Neoliberalen, Westerwelle hat im Gegenzug die Bezeichnung Neosozialisten für jene politischen Kräfte gewählt, die sich an der “Wiederbelebung der modrigen Leiche” Sozialismus versuchten.

Wie weit gehen also die Ähnlichkeiten und wo liegen die Unterschiede in der Rhetorik der Frontmänner von Linkspartei und FDP?

Die folgende Untersuchung der Strategien sprachlicher Wirklichkeitskonstruktion beruht auf folgenden Korpora:

1) 80 Reden von Guido Westerwelle im Zeitraum vom 6.1.2003 bis 2.7.2009 (154.298 Wörter)
2) 65 Reden von Oskar Lafontaine im Zeitraum vom 8.11.2005 bis 20.6.2009 (108.265 Wörter)

Dazu werden weitere Korpora von Politikerreden zum Vergleich herangezogen.

1. Das Konzept “Staat”

Als repräsentativ für die inhaltlich-ideologischen Differenzen können die unterschiedlichen Verwendungsweisen des Wortes “Staat” gelten. Mit der Bezeichnung “Staat” können entweder real existierende politische Einheiten, z.B. die Staaten der Europäischen Union, oder das Abstraktum einer allgemeinen politischen Ordnungsmacht bezeichnet werden (“Der Staat hat die Aufgabe…”).

Wie die Kollokationsanalyse zum Lemma Staat in den Reden Oskar Lafontaines zeigt, referiert der Parteivorsitzende der Partei DIE LINKE häufig auf die europäischen Staaten, aber auch auf die schwachen Staaten der Welt. In den Staaten der europäischen Union macht er vor allem die Gefahr von Steuer- und Lohndumping aus, hofft jedoch zugleich auf die Einführung eines europäischen Mindestlohns. Angesichts des Auseinanderklaffens der sozialen Verhältnisse brauchen die schwachen Staaten aber auch die sozial Schwachen Regeln, die den Mächtigen Grenzen setzen. Nicht weniger als 11 Mal verwendet Lafontaine in seinen Reden ein Zitat von Montesquieu in verschiedenen Abwandlungen, das diese Lesart des Kollokationendiagramms stützt: “Zwischen dem Starken und dem Schwachen befreit das Gesetz, während die Freiheit unterdrückt”. Als Vorsitzender einer Oppositionspartei, aber auch weil der Staat den Banken Milliarden gibt, hält Lafontaine die Politik der Bundesregierung für falsch und verfehlt und nicht ganz überraschend die der eigenen Partei für gut.

Während der Staat für Lafontaine also Regeln setzen soll, um die Schwachen zu schützen, ist für den Vorsitzenden der FDP Freiheit eine entscheidende Kategorie, wenn es um die Aufgaben des Staates geht.

Wenn Guido Westerwelle über den Staat spricht, dann philosophiert er häufiger als Oskar Lafontaine über den Staat als abstrakte Ordnungsmacht: Der Staat müsse die Freiheit der Bürger gewähren. Freiheit ist ohne Verantwortung der Menschen nicht denkbar. Der starke Staat müsse sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Zugleich steht der Staat für Westerwelle aber auch für soziale Sicherheit, sichert die soziale Marktwirtschaft und achtet auf soziale Gerechtigkeit, die freilich als Leistungsgerechtigkeit bestimmt wird. Dass das Wort Staat bei Westerwelle häufig mit dem Wort Steuer und Geld verknüpft ist, belegt, wie zentral wirtschafts- und finanzpolitische Kategorien für die FDP und ihren Vorsitzenden sind.

Die parteipolitischen Unterschiede zeigen sich auch deutlich, wenn man die Derivate des Wortes “Staat” auszählt, die beide verwenden. Während Westerwelle etwa doppelt so häufig als Lafontaine die Wörter Rechtsstaat, Rechtsstaatlichkeit, Wohlfahrtsstaat und Sozialstaat verwendet, benutzt Letzterer häufiger die Wörter Verstaatlichung, verstaatlichen und Staatsversagen. Auffällig ist, dass das Wort Staatsausgaben fast ausschließlich bei Lafontaine vorkommt, er aber – anders als sein liberaler Kontrahent – nie von Staatseinnahmen spricht.

Sog. Determinativkomposita können auf Interpretationen und Bewertungen des in Rede stehenden Gegenstands verweisen, denn bei ihnen wird das Grundwort durch ein Bestimmungswort spezifiziert. Insgesamt erweist sich Westerwelle hier als größerer Meister der polemischen Wortbildung, wenn er – Steuersenkungen, Entbürokratisierung und die Kürzungen von Sozialleistungen im Blick – vom Abgabenstaat, vom Bürokratiestaat, vom Gewerkschaftsstaat oder vom Verteilungsstaat spricht.

2. Emotionalisierungsstrategien

Gemäß Brockhaus ist es eines der definitorischen Merkmale des Populismus, Emotionen, Vorurteile und Ängste der Bevölkerung zu schüren und für eigene Zwecke zu nutzen. Zugleich ist es eine wichtige Aufgabe von Oppositionspolitikern, das Regierungshandeln schlechtzureden. Ein Modus des Kritisierens ist die Empörung, denn je emotionaler die Kritik vorgetragen wird, desto glaubhafter erscheint sie in den Augen der Wähler. Eine drastische Wortwahl fungiert dabei als Emotionalitätsmarker.

Auf diesem Feld erweist sich Oskar Lafontaine seinem politischen Widersacher Guido Westerwelle überlegen. So benutzt er etwa skandalisierende Adjektive doppelt so häufig wie der Parteivorsitzende der FDP. 0,73 % aller Adjektive haben einen skandalisierenden Charakter – bei Westerwelle gerade einmal 0,35 %.

Dass die Verwendung solcher Adjektive oppositionsspezifisch ist, zeigt sich daran, dass bei Angela Merkel nur 0,1 % und bei Frank Walter Steinmeier gar nur 0,09% aller Adjektive skandalisierenden Charakter haben.

Die Hitliste skandalisierender Adjektive Oskar Lafontaines lautet:

dumm 7
bodenlos 7
verantwortungslos 6
pervers 5
absurd 5
unverschämt 4
feige 4
billig 4
beängstigend 3
ungeheuerlich/ungeheuer 3
dreist 2

Es finden sich weiterhin die Adjektive skandalös, fatal, menschenverachtend, erbärmlich, empörend, bösartig, beispiellos und abstrus.

In Frequenz und Intensität schwächer liest sich hingegen Westerwelles Liste:

absurd 7
peinlich 6
billig 5
unverschämt 3
fatal 3
erschreckend 3
beispiellos 3
skandalös 2
dumm 2

Neben diesen verwendet Westerwelle auch widerwärtig, schändlich, menschenverachtend, grotesk, gemein und empörend.

Auch bei der Vermeidung positiv besetzter Adjektive hat Lafontaine die Nase vorn. Insgesamt benutzen zwar beide Oppositionsführer weniger positive Adjektive als die Spitzenpolitiker der Regierungskoalition. Lafontaine gebraucht mit 10,7 pro 1.000 Wörtern jedoch deutlich seltener positiv besetzte Adjektive als Westerwelle, bei dem im Durchschnitt 12,1 Wörter von 1.000 positiv besetzte Adjektive sind. Der Vergleich mit Fritz Kuhn, dem Fraktionsvorsitzenden der GRÜNEN zeigt, dass Werte um 12 je 1.000 Wörter für Oppositionspolitiker typisch sind.

Damit liegen Westerwelle und Lafontaine deutlich hinter Politikern der Regierungskoalition, die im Durchschnitt 18,2 positiv besetzte Adjektive in 1000 Wörtern benutzen, um damit die politische Wirklichkeit und ihr eigenes Handeln in einem guten Lichte erscheinen zu lassen. Als Spitzenreiter erweisen sich SPD-Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier und Bundespräsident Horst Köhler.

Eine qualitative Analyse der verwendeten Adjektive fördert aber Unerwartetes zutage, wie die folgende Liste der Top 10 der positiv besetzten Adjektive zeigt.

Top 10 Westerwelle
415 gut
162 sozial
131 gemeinsam
69 stark
48 fair
28 echt
26 erfolgreich
24 weltweit
21 interessant
20 modern
Top 10 Lafontaine
166 sozial
159 gut
39 stark
23 gemeinsam
18 sinnvoll
17 wunderbar
16 erfolgreich
15 weltweit
14 positiv
10 nachhaltig

Dass Lafontaine häufiger das Wort “sozial” benutzt als Westerwelle, überrascht nicht. Dass sich hingegen auch Westerwelle bemüht, in seinen Reden auf Werte wie Fairness und Gemeinschaftssinn (fair, gemeinsam, sozial) sprachlich Bezug zu nehmen, passt nicht in das neoliberale Bild, das von dem FDP-Politiker gezeichnet wird. Umgekehrt verweist die Referenz auf Stärke und Erfolg (stark, erfolgreich) bei Lafontaine auf ein bei Linken eher untypisches Framing.

Auch intensivierende Gradpartikel verwendet Oskar Lafontaine mit durchschnittlich 5,7 je 1000 Wörter häufiger als Guido Westerwelle (4,7). Wie allerdings die folgende Grafik zeigt, liegen Lafontaine und Westerwelle damit am Ende des Feldes einer Auswahl deutscher Spitzenpolitiker. Mit Abstand am häufigsten verwendet Angela Merkel Intensivierer.

Insgesamt malt Lafontaine also die Welt in schwärzeren Farben und mit mehr Empörung und Emphase als sein Widersacher Guido Westerwelle.

3. Bürgerinnen und Bürger vs. Bevölkerung, Arbeitnehmer und Rentner

Populismus definiert sich über ein spezifisches Verhältnis zum “Volk”. Populisten nehmen für sich in Anspruch, für das Volk zu sprechen und dessen Meinung zu artikulieren. Untersucht man, welche Nomen für die Reden Lafontaines und Westerwelles jeweils typisch sind, so zeigt sich, dass beide Politiker je andere Personengruppen zum Objekt von Politik machen.

Während Westerwelle signifikant häufiger pauschal von Bürgerinnen und Bürgern spricht, benutzt Lafontaine häufiger die Vokabeln Bevölkerung, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Rentner.

Im Gebrauch der Wörter Bürger und Bevölkerung zeigen sich aber auffällige Überschneidungen, wie die folgende Kollokationsanalyse zeigt.

Wenn Lafontaine von der Bevölkerung spricht, dann meist im Gestus dessen, der weiß, was die Bevölkerung sagt bzw. weiß. Mit der Vokabel der Bevölkerung assoziiert sind die Wörter Gesellschaft, Volk, Land und Bundesrepublik Deutschland.

Auch in Westerwelles Verwendung des Wortes Bürger zeigt sich, dass er sich als Sprachrohr des Bürgerwillens inszeniert. Auch bei ihm treten die Verben wissen und sagen sowie verlangen im Kontext des Wortes Bürger auf. Anders als bei Lafontaine ist im Kollokagramm von Westerwelle die Vokabel Bürger von den Wörtern Staat, Regierung, Politik und Freiheit eingerahmt.

Auffällig ist zudem folgender Unterschied: Wenn Lafontaine von der Bevölkerung spricht, dann referiert er meist auf einen Teil von ihr (Mehrheit, Prozent, Drittel), Westerwelle dagegen spricht pauschal von allen Bürgerinnen und Bürgern.

Dieser Sprachgebrauch ist ein Indiz dafür, dass Lafontaines politische Rhetorik davon lebt, die Bevölkerung als in unterschiedliche Interessensgruppen gespalten darzustellen, wobei er selbst als Anwalt der Mehrheit auftritt. Westerwelle hingegen sieht sich als Vertreter der politischen Mitte und einer allgemeingültigen Vernunft. Für ihn stehen sich nicht unterschiedliche Interessensgruppen gegenüber, vielmehr bewegt ihn das Verhältnis von Staat, Politik und Bürgern.

4. Stilistische Besonderheiten

Vergleicht man die stilistischen Merkmale der beiden Politiker, so zeigt sich, dass Lafontaine zu tendenziell komplexeren, d.h. auch weniger zuhörerfreundlichen Formulierungen neigt als Westerwelle. Durchschnittlich sind seine Sätze 14,6 Wörter lang und damit 1,6 Wörter länger als die Sätze Westerwelles.

Auch Partizipialkonstruktionen wie die lange Jahre herrschende Ideologie, die von der Bundesregierung geplante Reform oder der auf dem Tisch liegende Vorschlag, die im gesprochenen Deutsch üblicherweise durch Relativsätze ausgedrückt werden (“der Vorschlag, der auf dem Tisch liegt”), finden sich bei Lafontaine signifikant häufiger als bei Westerwelle. Sie können zusammen mit den ebenfalls bei Lafontaine häufiger auftretenden Nominalgruppen-clustern (eine Krise der Demokratie und der Wirtschafts- und Sozialordnung) als typisch für die geschriebene Sprache gelten.

Hinzu kommt noch, dass Lafontaine häufiger als Westerwelle Sätze mit den unpersönlichen Pronomen “es” und “man” bildet.

Es ist anerkennenswert, dass
Es wäre ja vorstellbar, dass
Es wäre natürlich nett, wenn
Es genügt auch nicht, wenn
Es war heute Morgen wieder
Es liegen bereits seit 2007

Das unpersönliche Pronomen “man” tritt häufig mit Modalverben auf, was darauf verweist, dass Lafontaine häufiger allgemeine Forderungen erhebt:

, dann muss man
, so kann man
, dann sollte man
, vielmehr muss man
, dann müsste man
, dann kann man

Lafontaines Reden unterscheiden sich auch im Hinblick auf die Nennung von Zahlen von den Reden Westerwelles, der sehr viel seltener präzise Zahlen nennt:

Stundenlöhne von 5,86 Euro
Prozent auf 43,5 Prozent
Steuersatz von 12,5 Prozent
Entlastung von 379,33 Euro
Summe um 51 Prozent
Mindestlohn bei 8,13 Euro
Größenordnung von 0,3 Prozent
Höhe von 8,71 Euro

Auch die häufige Nennung von Zahlen auf Punkt und Komma trägt nicht zur Steigerung der Transparenz von Reden bei, vielmehr dient sie der Inszenierung von Kompetenz.

Lafontaine benutzt allerdings häufiger als Westerwelle redestrukturierende Wendungen wie die folgenden:

will ich hier einmal anmerken
möchte ich hier einmal ansprechen
will es einmal anders formulieren
möchte ich noch einmal feststellen
muss ich hier einmal sagen
möchte ich noch einmal sagen
möchte ich gerade noch eingehen
Ich will noch einmal
Ich möchte hier nun
Ich möchte zuerst etwas
In diesem Zusammenhang erinnere
Vor diesem Hintergrund verstehe
In diesem Zusammenhang sprach
Ich komme nun zum
Nun kommen wir zur
Jetzt komme ich zur
wie ich hier vorgetragen habe
wenn ich hier gestockt habe
wie ich vorher beschrieben habe
ich Ihnen hier vorgetragen habe
Ich beginne mit einem
Ich schließe mit dem

Lafontaines Sprache ist strukturell gesehen also insgesamt komplizierter und abstrakter als die seines Widersachers, er kompensiert die mangelnde syntaktische Transparenz jedoch mittels redestrukturierender Elemente.

Zwar finden sich auch bei Westerwelle einige wenige Merkmale, die auf den ersten Blick für eine komplizierte und abstrakte Ausdrucksweise stehen, doch haben diese Merkmale häufig eine andere Funktion als bei Lafontaine. So verwendet auch Westerwelle das unpersönliche Pronomen “es” häufig, allerdings am Satzanfang mit der Funktion, das folgende Subjekt zu betonen:

Es ist die Lücke
Es ist eine Regierung
Es ist ein Paket
Es ist eine Frechheit
Es ist ein Fehler

Im Vergleich zu Lafontaine bedient sich Westerwelle sehr viel häufiger direkter Adressierungen der Zuhörer seiner Reden oder der politischen Gegner. Eine Besonderheit seiner Reden sind kurze, meist nur vier Worte lange Sätze, häufig mit Gleichsetzungsnominativen, die pointierte Aussagen enthalten.

Sie sind die Regierung.
Es ist die Ouvertüre.
Er ist ein Albtraum.
Es ist die Familie.
Es ist die Bürgergesellschaft.
Es ist ein Drama!
Wir haben ein Lebensgefühl.
Wir haben ein Vollzugsdefizit.

Zwar verwendet Westerwelle seltener redestrukturierende Floskeln, dafür finden sich aber auffällig viele sprachliche Muster mit Demonstrativpronomen, die auf den vorangegangenen Satz bzw. frühere Teile seiner Rede verweisen und so Kohärenz herstellen.

Das ist eine babylonische Sprachverwirrung…
Das ist der gefühlte Westerwelle…
Das ist der entscheidende Auftrag…
Das ist eine falsche Anschuldigung…
Das ist ein wichtiger Beitrag…
Das ist der entscheidende Kritikpunkt…
Das ist die ganze Wahrheit…
Das ist die falsche Richtung…

Zum Schluss noch einige auffällige Formulierungsmuster der beiden Parteivorsitzenden. Lafontaine bedient sich häufig der Formulierung nicht in der Lage sein, wobei die Regierung, das Parlament oder Hartz-IV-Empfänger die häufigsten Subjekte der Aussagen sind.

Eine der häufigsten Phrasen Westerwelles ist hingegen die FDP wird im Falle einer Regierungsbeteiligung. Zudem finden sich bei Westerwelle signifikant häufiger als bei Lafontaine Muster, die aus dem Quantor “mehr” und einem Nomen bestehen. Die Nomen haben dabei durchaus programmatische Qualitäten. Sie lassen sich ordnen, in Dinge, die Westerwelle befürwortet…

24 mehr Freiheit
20 mehr Geld
7 mehr Menschen
6 mehr Eigenverantwortung
4 mehr Verantwortung
4 mehr Flexibilität
3 mehr Wettbewerb
3 mehr Arbeitsplätze
2 mehr Wohlstand
2 mehr Netto
2 mehr Macht
2 mehr Investitionen
2 mehr Glaubwürdigkeit
2 mehr Chancen

… und solche, die er gerne verhindern möchte:

8 mehr Bürokratie
6 mehr Unfreiheit
6 mehr Steuern
4 mehr Schulden
3 mehr Staat
2 mehr Umverteilung
2 mehr Regulierung
2 mehr Arbeitslosigkeit

5. Fazit

Guido Westerwelle und Oskar Lafontaine nehmen beide für sich in Anspruch, für das Volk zu sprechen. Während Westerwelle als Politiker der Mitte den Willen aller Bürgerinnen und Bürger zu artikulieren glaubt, betont Lafontaine, dass er für die Mehrheit der Bevölkerung spreche, und betont somit die Interessensgegensätze innerhalb der bundesdeutschen Gesellschaft.

Während Westerwelle ein Meister der polemischen Komposita ist, der mit prägnanten Formulierungen seine Vorstellungen von mehr Freiheit und Verantwortung der Bürger in Worte fasst, zeichnet Lafontaine in komplizierteren Formulierungen, jedoch mit mehr skandalisierenden Adjektiven und zahlreichen Intensivierern sein düsteres Bild von der bundesrepublikanischen Gegenwart.

Ob diese sprachlichen Strategien als Populismus zu bezeichnen sind, ist letztlich eine politische Frage, die sich aus linguistischer Perspektive nicht beantworten lässt.

Eine Antwort to “Rhetorik des Populismus? Die Reden Guido Westerwelles und Oskar Lafontaines im Vergleich”

  1. qjlmtjnq Says:

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